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    2005-08-01: Einigkeit bei technotrans: neues Vergütungsmodell vereinbart
    Vorstand und Betriebsrat vereinbaren eigenes Vergütungsmodell mit Koppelung an den Unternehmenserfolg / alle Mitarbeiter stimmen der neuen Regelung zu

    Glaubt man den teilweise lautstarken Diskussionsbeiträgen der verschiedenen Interessengruppen, so scheint es in Deutschland keine Alternative zu den herkömmlichen Strukturen - Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften - zu geben. Nur sie, so der unablässig wiederholte Kern der Aussagen, sind in der Lage, das Wohl von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einvernehmlich zu regeln, und dies ganz selbstverständlich flächendeckend einheitlich von Flensburg bis an den Alpenrand. Die Realität hingegen zeigt, dass innovative Lösungen möglich sind. Allerdings muss man hierfür nicht nur die ausgetretenen Pfade der Tarifpartner verlassen, sondern auch einen Blick in das münsterländische Sassenberg werfen.

    "Wir wissen selbst ganz gut, was zu unserem Wohl ist und wie wir diese Interessen vertreten," sagen Heinz Harling, Vorstandsvorsitzender der technotrans AG und Matthias Laudick, Vorsitzender des Betriebsrates übereinstimmend. Nach langen und sorgfältigen Verhandlungen gelang ihnen das vermeintlich Unmögliche: sie vereinbarten ein individuelles Vergütungsmodell, das mit den Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern gleichermaßen in Einklang steht. Kernaspekt des neuen Modells ist eine direkte Verknüpfung zwischen Unternehmenserfolg und Lohn- und Gehaltssteigerungen. Nur wenn das Betriebsergebnis (EBIT) mindestens 10 Prozent erreicht, werden die tariflich ausgehandelten Erhöhungen umgesetzt. Erwirtschaftet das Unternehmen mehr EBIT, so haben die Mitarbeiter zukünftig Anspruch auf ihren Anteil daran, und zwar vertraglich vereinbart. "Das Modell entspricht teilweise der Praxis, die wir in den vergangenen Jahren gelebt haben. Neu ist, dass die Mitarbeiter nun einen verbrieften Anspruch auf Lohnerhöhungen und Boni haben, wenn es dem Unternehmen gut geht," erklärt Matthias Laudick. Harling ergänzt: "Wir können jetzt, in einer Zeit, wo es dem Unternehmen gut geht, bereits die Weichen stellen für den Fall, dass die Lage mal schwieriger werden sollte. Die Flexibilität, bei schlechten Erträgen die Tariferhöhungen nicht sklavisch umsetzen zu müssen, gibt uns größere Planungssicherheit und schafft langfristig Arbeitsplätze."

    Vergleiche zwischen Sassenberg und einem kleinen gallischen Dorf, das sich dem herrschenden System bekanntermaßen recht erfolgreich entgegen setzte, will Heinz Harling nicht ganz von der Hand weisen. "Überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen finden sich häufig in abgelegeneren Teilen des Landes. Dort ergibt sich hohe Kontinuität durch geringere Fluktuation und so kann sich eine ganz eigene, positive Unternehmenskultur leichter entwickeln." Aus Matthias Laudicks Sicht ist das Verhältnis der Mitarbeiter zum Unternehmen weder besonders angepasst noch besonders aggressiv. "Wir sind uns einfach sehr einig in der Ansicht, dass wir alle im gleichen Boot sitzen, und dazu zählen wir auch den Vorstand. Deshalb geht es uns nicht darum, in erster Linie traditionelle Machtstrukturen zu pflegen, sondern im Interesse unseres Unternehmens wollen wir, dass alle am gleichen Strang ziehen." Diese Meinungen werden eindrucksvoll unterlegt durch die Tatsache, dass Ende Juli 100 Prozent der Beschäftigten dem neuen Vergütungsmodell zugestimmt haben. Ob bei dem diesjährigen Sommerfest nun auch mit Wildschweinbraten gefeiert wird, stand hingegen noch nicht fest.

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